Und wieder darf sich einer freikaufen

Wenn ein Name in Deutschland für Ungerechtigkeit steht, dann ist es Peter Hartz. Nach ihm wurde eine Gesetzreihe benannt, die wohl noch in 20 Jahren als größte Ungerechtigkeit in einem Großteil der Bevölkerung empfunden wird. Zumindest in unserer “neuen Unterschicht” wird dieser Mann für alles Negative und jede soziale Ungerechtigkeit verantwortlich gemacht.

Dieser Mann ist jetzt wegen Untreue und Begünstigung von Betriebsräten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 576.000 Euro verurteilt worden. Das Urteil wurde vorher schon ausgehandelt und alle haben sich an den Deal gehalten. Für den kleinen Mann ist es quasi wieder ein Freispruch gegen Geld. Was stört einen Mann mit 65 Jahren noch eine Bewährungsstrafe? 576.000 Euro erscheinen dem kleinen Mann als sehr viel Geld. Für ehemalige Personalvorstände sind das eher Peanuts (Unwort des Jahres 1994).

Noch ein paar Stimmen dazu: Süddeutsche, Linkszeitung, 3-Bein

2 Gedanken zu „Und wieder darf sich einer freikaufen“

  1. Wie blauaeugig ist eigentlich die unabhaengige Justiz???

    Wenn man annimmt, dass in einem Unternehmen wie VW der Personalchef mal eben Geld auf die Seite schieben kann, um die Bezuege eines Mitarbeiters und sonstige “Ausgaben” taetigen zu koennen, ohne dass die Geschaeftsfuehrung oder der Aufsichtsrat genaueres darueber weiss (ich glaube nicht, dass dies bei den genannten Summen in der praxis moeglich ist), dann gibt es in diesem Fall nur die Moeglichkeit, die Geschaeftsfuehrung und/oder den Aufsichtsrat wegen unterlassener Aufsichtspflicht zu verurteilen.
    Wofuer bekommen Aufsichtsratsmitglieder denn ihre horrenden Bezuege? Eigentlich doch nur, um der Aufsichtspflicht ueber die Geschaeftsfuehrung nachzukommen.
    Es scheint jedoch eher so zu sein, dass dieses gesetzlich verankerte Gremium in etlichen Unternehmen laengst zu einem Selbstbedienungsladen fuer “Amigos” und sonstige Freunde und einflussreiche Persoenlichkeiten (von denen man dann jedoch auch eine Gegenleistung anderer Art erwartet) umfunktioniert wurde.

    Ich bin der Meinung, dass es dem Ansehen von Wirtschaftsfuehrern gut getan haette, wenn der Vorstandsvorsitzende von VW direkt nach Bekanntwerden dieser ungeheuerlichen Afaere von sich aus zurueckgetreten waere und die Verantwortung uebernommen haette.

    Stattdessen zog er es leider vor, sich in die lange Liste von Entscheidungstraegern in der freien und auch staatlichen Wirtschaft einzureihen, die an ihren Stuehlen noch fester kleben als so mancher Politiker. Denn ob er nun von den Praktiken der Personalabteilung unterrichtet war oder tatsaechlich nichts davon wusste, aendert nichts daran, dass das Auftauchen solcher Praktiken in einem Unternehmen immer als Missmanagement verstanden werden muss. Tragischerweise faellt mir dazu leider nur wieder der Buchtitel “Nieten in Nadelstreifen” ein, an den ich in den letzten Tagen und Wochen aufgrund der Vorgaenge in so manchem deutschen Unternehmen mehr als nur einmal dachte…

    Herr Hartz schien auch im Gerichtssaal noch ein treuer Angestellter seines (ehemaligen?) Arbeitgebers zu sein und nahm es mit stoischer Ruhe auf sich, das Bauernopfer in diesem vorher schon abgekarteten Trauerakt deutscher Justiz zu spielen.

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