Unterschichtenradio

Im Jahr 2005 (nachdem er zum Ersten wechselte) kam von Harald Schmidt in einer seiner ersten Sendungen der Spruch: “ … als wir noch beim Unterschichtenfernsehen waren …“. Spätestens seit da kennt diesen Begriff fast jeder. Zumindest die Zuschauer, die außer RTL, SAT1 und 9live noch etwas anderes kennen.

Bei Wikipedia gibts unter anderem zu lesen:

Das Wort „Unterschichtenfernsehen“ wurde vor allem im Rahmen der Medienkritik aufgegriffen. Hier wurde das Privatfernsehen dafür kritisiert, mit Reality TV und sogenanntem Affektfernsehen anspruchslose, billig gemachte und geschmacklose Fernsehunterhaltung zu produzieren, die keinen Bildungswert besitzt und nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist.

Ich werfe heute mal einen anderen Begriff in den Raum, nämlich das Unterschichtenradio. Man kommt ja in Bayern den Sendern B3 und Antenne nicht aus. Zwangsläufig wird man mit nerviger (der kleine Nils) oder schlechter (Karl Auer) Comedy und ständig gleichen Musiktiteln (ich sag nur „Shakira Shakira“) malträtiert.

Seit mehrenen Wochen sind die Sender aber nur eindeutig auf 9live-Kurs und starten ein Gewinnspiel nach dem anderen. Bei Bayern 3 kann man eine einwöchige Reise nach Mauritius gewinnen und muß dann zur Strafe aber zusammen mit zwei der Moderatoren fliegen. Bei einfach mindestens 11 Stunden Flug ist da der Erholungswert wohl nicht gerade groß.

Höhepunkt ist ja nun das 10-Euro Spiel von Antenne Bayern, wo man für den eigenen Zehner (wenns der Richtige ist) bis zu 100.000 Euro gewinnen kann. Seitdem kriegt man in den Supermärkten als Wechselgeld nur noch Scheine von 5 Euro und 20 Euro zurück. So mancher führt Exceltabellen, wo er die Seriennummern seiner Scheine verwaltet. Sogar meine Schwiegermutter, die ja nur Volksmusiksender hört, hortet jetzt Zehner.

Seit ca. einem Jahr höre ich daher größtenteils Bayern 2. Dort werden Radiointerviews noch länger als 3 Fragen geführt, die Kommentare sind bissig und Werbung gibt es so gut wie gar nicht. Außerdem wird einem nicht ständig vorgebetet, dass man gerade beim Radio mit dem besten Wetter oder aktuellsten Verkehr ist. Bei Bayern 2 ist man dafür beim Radio mit den besten Hintergrundinfos. Das kriegt man da aber nicht ständig vorgebetet, man merkt es von selbst. Am Abend gibt es dann den Zündfunk. Das ist eine Musiksendung mit viel Style, wo man Musik vorgestellt bekommt, die man noch nicht 1000 Mal gehört hat und wo unbekannte Künster ihre Chance bekommen.

13 Gedanken zu „Unterschichtenradio“

  1. Dann solltest Du Bayern 2 mal ganz dringend dem Meris empfehlen. Ich hab zwar keinen Plan ob man Bayern 2 in Luxemburg empfangen kann, aber der Internetstream ist allemal machbar. Damit könntest Du einem verzweifelten Radioverweigerer vielleicht wieder etwas Hoffnung in die Menschheit Radiowelt zurückgeben.

  2. Geht mir auch so. B2 hat ein sehr herogenes Programm das einem nicht immer zusagen muß aber dafür Profil hat. Keine Einheitssoße wie B3 oder Antenne, wo man das Gefühl hat, die spielen den ganzen Tag die gleichen 5 Lieder.
    Unvergessen wird mir die Sendung bleiben mit dem Titel: „Die Anarchie menschlicher Leibgeräusche im Alltag“. Ein Wunder, daß ich damals beim Autofahren keinen Unfall gebaut habe.

  3. Um mal meine bescheidene Meinung als Preuss beizusteuern: Ihr könnt so unglaublich froh sein, dass ihr im fernen Bayernland wenigstens noch einen Radiosender habt, denn ihr hören könnt… Hier im Ruhrpott wüsste ich keinen. Da hilft nur eins: MP3-Autoradio für unterwegs und für eine Radiosimulation zuhause pandora.com.

  4. was gar nicht geht ist einslive…grrr..dieses teenischwachsinnebenfallsshakirashakiraradio kannste dir echt nicht anhören. wdr 2 hat gute musik, gute reportagen und gute interviews. mein männe hört gern wdr 5, zeichnet sich durch viele kulturell wertvollen beiträge und anspruchsvollen interviews (www.wdr5.de) aus. ist für mich ein bissschen viel am frühen morgen; ihm gefällt´s.

  5. Da sprichst du mal ein paar Machtworte…

    Die Radiosender in Bayern kann man wirklich größtenteils vergessen. Hier gehts auch nur noch um’s große Geld. Mit Bayern2 muss ich dir auch vollkommen recht geben. Das ist ein klasse Sender. Da kann man beim Autofahren auch schon mal nebenbei etwas lernen 🙂

    Und dieses blöde Gewinnspiel mit den Zehner… Die Leute lassen sich wirklich so verarschen. Die machen einfach das, was man ihnen sagt…

    PS: Toller Blog übrigens.

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  7. Mit einer der Gründe warum ich meine Heimatstadt Berlin nichniemalsnie verlassen könnte, wäre mein Lieblingssender „Radio Eins“ vom RBB. Gute Musik, keine zu flach geführten Interviews, Moderatoren die nicht ständig einen auf „ich bin ja so lustig“ machen und recht wenig Werbung im Vergleich zu den privaten Sendern.

  8. Das klingt ja entsetzlich, was du da berichtest.
    Ich höre gar kein Radio mehr. Ne Zeit lang musste ich immer bei meinem besten Freund im Auto Radio hören, aber seit ich ihm eine AC/DC-CD gebrannt habe, auch das nicht mehr…

  9. ich sag nur: mp3!
    ich hör aus den von dir genannten gründen schon eine halbe ewigkeit keinen radio mehr. ich hör jetzt auch im auto nur noch mp3s. und nur zum verkehrsfunk lass ich radiowellen zu…

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  12. ich fahre lkw und ohne radio wäre ich schon längst tot…ich muss hören was verkehr mässig abläuft. Also ich kann für mich nichts gegen radio sagen, ausser, dass die zu viele oldies spielen.

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