Verarscht uns doch alle

Eigentlich hätte ich es mir sparen sollen, dass ich mir das 100m Finale ansehe. Acht Bodybuilder im Stile des Ben Johnson standen da eben am Start und dann gewinnt einer mit 5 Meter Vorsprung. Auf den letzten 30 Meter hat es Usain Bolt aus Jamaika locker ausrollen lassen und ist trotzdem noch Weltrekord gelaufen. Das glaubt doch alles keiner mehr!

14 Gedanken zu „Verarscht uns doch alle“

  1. Wie heißt es doch so schön: „Hormon auf zwei Beinen“ … *g* Und obendrauf noch der Kommentator, der dann platt anmerkt, er habe die letzten 20 Meter ausgetrudelt, um den Weltrekord bei einer der nach-olympischen, finanziell erst lukrativen Veranstaltungen nochmal stärker und gegen gutes Geld einzudampfen… 9,5x sec sind wohl nur noch ne Frage der Zeit.

  2. Das schlimme an der Sache ist ja. Man weiß nicht, ob man das noch glauben kann oder nicht. Seit Ben Johnsons Posse in Seoul weht halt der Ruch des Dopings über jede Spitzenleistung. Deswegen glaube ich das auch nicht mehr – obwohl ja eigentlich das Konzept der Unschuldsvermutung sicher das richtige ist…

  3. Ist eh ’n Fake da. Alles.
    Beijing gibts längst nich mehr.
    Die haben in der DDR doch wissenschaftlich gedopt, oder? Wieso rennen dann ein paar Jahre später ohne Doping alle trotzdem 3x schneller?

    Evolution.

    Ne?

    ^^

  4. Es fällt mir recht schwer, angesichts der zur Scheu gestellten Überlegenheit da keine Manipulation zu vermuten. Wir werden sehen, ob die Doping-Jäger in den nächsten Tagen etwas finden. Wenn nicht, bin ich mächtig beeindruckt.

  5. Doping ist doch eh nur ein Begriff, der beschreibt, was alle bereits seit Ewigkeiten heimlich machen.

  6. @Holger: Das wäre das Falscheste überhaupt. In dem Augenblick, wo Du Doping frei gibst, gibt es kein Halten mehr. Augenblicklich ist es auf den Hochleistungssport beschränkt. Wenn es dort legal wird, würde sich das nach unten weiterverschieben und endgültig auch im Breitensport ankommen. Dann dauert es nicht mehr lange, bis in den Sportvereinen der Trainer den Jugendlichen die entsprechenden Mittel gibt, weil sie sonst keine Chance haben. Dann hätten wir es wie früher in der DDR.

  7. @Stoiber – glaubst Du wirklich, dass das nicht schon heute geschied? Ich bin fest davon überzeugt, dass hoffnungsvolle Jungsportler gedopt werden, schon weil in den unteren Ligen die Kontrollen kaum vorhanden sind. Die Grenzen zwischen „optimierter“ Ernährung und Doping sind doch mittlerweile fließend. So kenne ich Sportler, die Aspirin zur Blutverdünnung einnehmen, weil es Gerüchte gibt, dass dadurch der Sauerstofftransport besser funktioniert. Und so gibt es sicherlich noch viele weitere nicht illegale Medikamente, die Sportler zur Leistungssteigerung einnehmen. Tatsächlich beginnt das Doping damit, dass ich mich gezielt für meine Sportart ernähre. Bis zur illegalen Droge ist der Unterschied dann kein grundsätzlicher mehr.

  8. Ich glaube, dass wir uns da sehr in eine kindliche Scheinwelt flüchten. Studenten im Masterstudiengang (50h/Woche), die noch ein Ultramarathon- oder Ironman-Training (je 14 bis 20h /Woche) stemmen? Tenniskiddies auf’m Dorf, die mit 15 den Ball auf Werte aufbrummen, die vor 10 Jahren noch Nick Bolletieris Artillerie-Kinder von Schamesröte erblassen ließen? Erzähl mir nicht, dass das ohne kleine Helferlein geht. Bei dem einen hilft Ritalin, bei dem anderen ein frühzeitig vor dem 16 Lebensjahr abgesetzter Cocktail aus Hormonen und Wachstumsfaktoren. Wenn man hört, dass über 80% der Produktion von EPO und Clenbuterol auf dem „freien Markt“ landet, weiß man automatisch, dass der Breite Sport schon lange dopt. Im Gegentum: ich behaupte, in der Pissrinne beim Berlin-Marathon ist in 10 Minuten mehr zu holen als bei Olympia und TdF zusammen.

    Falk D.

    (L-Carnitin, Aspirin, Vitamin-C, Selen, Mineralstoff-Cocktail nach Analyse, vor langen Trainingseinheiten Koffein und Taurin, Ambroxol und Pulmicorte)

  9. @Holger: Als ich damals (1996/97) meine drei Ironmans machte, habe ich auch einen normalen 40h Job gehabt. Wenn man möchte und familiär ungebunden ist, springen noch 20 Stunden pro Woche raus. Ich habe mit knapp über 10 Stunden gefinished und ich schwöre hoch und heilig, dass ich sauber trainiert habe (OK, das sagen alle).

    Ich glaube, das es im Nachwuchsbereich auf dem flachen Land noch sauber zugeht. Vielleicht gibt es ein paar übermotivierte Trainer und Eltern, die meinen, den Kleinen solche Präparate geben zu müssen. Der Großteil ist das aber sicher nicht. In dem Augenblick, wo man Doping frei gibt, legitimiert man auch den Handel mit den Substanzen und dann kommt Amateursportler XY ganz leicht an EPO und Co. ran. Das darf nicht sein.

    @Falk: Die „Hobby“-läufer beim Marathon, die sich dopen, damit sie 2:50 schaffen, haben eh nichts im Hirn. Die betrügen sich ja nur selbst. Die sind so bedauernswert wie die, die zwei Stationen mit der U-Bahn fahren und dann wieder weiterlaufen.

  10. @StoiBär – Natürlich hast Du Recht, dass eine allgemeine Freigabe das Doping verbreitete, und ebenso natürlich darf es nicht sein, dass man Jugendliche mit EPO und ähnlichem Teufelszeug zuschüttet, aber bei Berufssportlern ist es doch in hohem Maße unfair, dass die einen auf das staatliche Doping zurückgreifen können und die anderen nicht. Und dass die Dopingkontrollen wirklich etwas gegen das systematische Doping bewirken könnten, glauben selbst die Kontrolleure nicht. Noch dazu kommt, dass die Zuschauer immer neue Rekorde sehen wollen. Dabei ist in den meisten Sportarten die Grenze des Machbaren längst erreicht. „Wir werden nie einen Menschen sehen, der regelgerecht 2,60m überspringen oder die 100m in deutlich unter 10 Sekunden laufen kann. Das gibt die Physis eines Menschen nicht her.“ sagten bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts (Sport)Mediziner und Physiologen. Also muss man entweder den Übermenschen züchten, oder aber die Leistungsfähigkeit (auf Kosten der Gesundheit) temporär erhöhen, um näher an die natürlichen Grenzen zu gelangen …

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