Warum man beim Radfahren nicht abnimmt

Heute bin ich bei meiner ersten RTF des Jahres mitgefahren. RTF hat in diesem Fall nichts mit Worddateien zu tun, sondern ist die Abkürzung für Radtouristikfahrt, was wiederum eine Breitensportveranstaltung des BDR (Bund Deutscher Radfahrer) ist. Bei jeder Teilnahme bekommt man je nach Streckenlänge Punkte gutgeschrieben und am Saisonende bekommt man eine Auszeichnung. Das ist beispielsweise eine Anstecknadel, mit der man sich prima ein Loch in den Reifen stechen kann. Das Positive an einer RTF ist, dass es keine Zeitmessung gibt, die zu viele Halbprofis anlocken würde. Die Strecken führen über viele kleine Straßen und man lernt Gegenden kennen, wo noch nie ein Mensch zuvor man sonst nie hinkommt. Hauptsächlich nehme ich aber an solchen Veranstaltungen teil, weil die Startgebühr auf maximal 7 Euro begrenzt ist. Das verhindert, dass sich die Vereine unkontrolliert mit der Startgebühr bereichern. Abschreckendes Beispiel ist für mich da immer der Arber Radmarathon in Regensburg, wo man dieses Jahr 50,- Euro Startgebühr löhnen muss, wenn man sich die Teilnahme kurzfristig überlegt. Wenigstens gibt es dann noch ein werbestrotzendes Radtrikot dazu.

Für die 7 Euro einer RTF kann man natürlich nicht erwarten, dass man ein reichhaltiges Buffet an jeder Verpflegungsstation bekommt. Es gibt wahlweise Wasser oder Zitronentee in die Trinkflasche. Da wir bei uns eine sehr hohe Brauereidichte haben und der gemeine Oberpfälzer schon immer eher mit Bier als mit EPO dopt, suchen sich die Vereine auch gerne mal ein lokales Brauhaus als Sponsor. An der letzten Verpflegungsstation nimmt man dann gerne diese Alternative in Anspruch und wer schon jemals länger Sport gemacht hat, der hat eine Ahnung davon, wie schnell einen eine Halbe Bier (das ist die kleinste bayerische Biereinheit) ins Nirvana katapultiert, wenn der Körper richtig ausgelaugt ist.

Zum Essen gibt es meist immer wahlweise Äpfel oder Bananen. Ein Apfel gibt nicht viel her am Berg und Bananen liegen im Zitronenteebad zu lange im Magen, bis sie Energie liefern. Daher werden gerne noch andere Schmankerln angeboten. Durchgesetzt haben sich eigentlich zwei: Kleine Kekse aus allen möglichen Körnern, die mit viel Butter und noch mehr Zucker von den Ehefrauen der Veranstalter gebacken werden. Unter den Fahrern werden die nur Haschkekse genannt und richten einen wieder auf, wenn man ein kleines Tief hat. Nur haben die einen Nachteil: Bis der Magen merkt, dass das was Brauchbares ist, hat man schon mindestens 10 Stück gegessen und bei geschätzten 500 Kalorien pro Teil braucht man die nächsten drei Tage eigentlich nichts mehr essen.

Haschkeks

Legendär sind allerdings die Schmalzbrote. Das sind Schwarzbrotscheiben mit Griebenschmalz und Salz drauf. Kein normaler Mensch würde sowas je zu Hause essen. Von früher kenne ich das Schmalz nur als Vogelfutter, das mein Vater immer im Winter ans Vogelhäuschen geschmiert hat. Die Meisen waren ganz wild drauf und wahrscheinlich ist das der endgültige Beweis, dass Radfahrer einen Vogel haben. Denn gerade bei kalter Witterung werden die gerne angenommen und gierig verschlungen. Das Griebenschmalz hat allerdings einen großen Vorteil: Da es sich ohne Umweg über das normale Verdauungsystem sofort am Bauch anlegt, übt es dort eine isolierende Wirkung für den Rest des Strecke aus.

Griebenschmalzbrot

Heute bin ich ich 118 Kilometer in ein wenig über vier Stunden gefahren. Da verbraucht man ca. 3600 Kalorien. Vor dem Start habe ich noch zwei Stück Kuchen gegessen. Unterwegs habe ich mich an den Haschkeksen gütig getan und auch zwei Bananen verdrückt. Im Ziel gab es dann eine Steaksemmel. Morgen früh stell ich mich dann auf die Waage und hoffe, dass ich wenigstens nicht zugenommen habe.

4 Gedanken zu „Warum man beim Radfahren nicht abnimmt“

  1. Vergiss doch das Kalorienzählen. Wenns danach ginge würde es reichen alle 5 Tage einen Liter Super zu trinken und man bräuchte nix mehr essen.

    Wobei, das würde sogar hinhauen. Nicht alle 5 Tage, aber genau einmal. 😎

  2. Klasse Bericht, aber was hast du gegen Schwarzbrotscheiben mit Griebenschmalz?

    Ist doch lecker.

  3. Griebenschmalzbrot mit Salz. Köstlich. Zu meinen Studententagen gab es in Berlin mindestens zwei Kneipen wo es das für einen Jroschen je halbe Graubrotscheibe gab. Dazu Bier. Studentische Vollverpflegung.

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