Was nehmt Ihr Euch nur alle so wichtig?

Ein paar Aussagen der letzten paar Wochen:

Mittlerweile erkennt man es in den deutschen Blogcharts auf einen Blick. Alle Blogs verlieren. Und zwar ihr wichtigstes Gut: die Links. Bernd Roethlingshoefer

Warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren. Fixmbr

Blogs und Blogger müssen konzentrierter zusammenarbeiten um ein gezielteres Agendasetting zu betreiben. […] Teile der Blogszene müssen sich professionalisieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln Don

Die Verlinkungen der deutschen Blogs untereinander gehen zurück. Aha. Trotzdem dachte ich bis neulich, das wichtigste Gut eines Blog sei der Leser. Ne, scheinbar sind es doch die Links. Denn ohne Links keine Platzierung in den Blogcharts. Seit ein paar Wochen bin ich aus den Top100 wieder raus und ehrlich gesagt, ist es mir egal. Sicherlich, Blogger wie Robert leben von dem was sie schreiben und setzt man sich damit ein wenig halbwissenschaftlich auseinander, hat man gleich wieder ein paar neue Links ergattert. Überhaupt kommt es mir derzeit so vor, als schreiben alle nur über das neue WordPress und ihre Lieblingsplugins. Sommerloch eben. Gott sei Dank hat jetzt Facebook eine Klage gegen StudiVZ erhoben. Habt Ihr mal aufgepasst, wie oft das die letzten drei Tage allein bei Rivva aufgepoppt ist? Wahrscheinlich haben viel noch in Erinnerung, wieviel Traffic die der StudiVZ-„Skandal“ damals brachte.

Und dann mal wieder eine neue Diskussion, wie Blogs sein müssen. Da wird nur darüber spekuliert, wie Blogs gegen die „großen“ Medien anstinken können oder wie man Geld damit verdient. Die deutsche „Blogosphäre“ wird mit der in den USA verglichen und oder über den fehlenden politische Einfluß lamentiert. Blogs müssen relevant sein und die Ablösung der klassischen Medien das Ziel. Gott sei Dank sehen es aber auch ein paar anders und dem Lukas kann ich daher nur zustimmen:

Es gibt bloggende Journalisten, bloggende Hausfrauen, bloggende Schüler, bloggende Bestatter und bloggende Hartz-IV-Empfänger – man könnte von einer bloggenden Gesellschaft sprechen. Und all diese Menschen haben so viel oder wenig gemeinsam, wie Journalisten, Hausfrauen, Schüler, Bestatter und Hartz-IV-Empfänger im Alltag gemeinsam haben. Blogs sind ein Medium, ein Mittel zum Zweck. […] Ich will gar keine gesellschaftliche Relevanz haben. Ich schreibe, weil mir Schreiben Spaß macht, seit ich denken kann – sogar schon länger, als ich eigentlich schreiben kann.

Patsy drückts noch ein wenig drastischer aus:

Wenn man als Maßstab ob Blogs funktionieren die Deutschen Blogcharts nimmt, dann kann man sich eigentlich auch gleich in den Nil schmeißen. Da sind viele tolle Blogs dabei, die es meiner Meinung nach auch verdient haben dort aufzutauchen, ich glaube nicht an diese Link-Verschwörungstheorien und dass die sich nur gegenseitig in den Arsch kriechen und andere nicht an sich rankommen lassen. Das ist völliger Blödsinn. Aber von diesen 100 Blogs ignoriere ich als Otto-Normalverbraucher trotzdem einen Großteil, denn was da an Inhalt geliefert wird, ist völliger Quatsch. Rüberkopierte Scheiße. Wenn man sich zusätzlich zu den klassischen Portalen noch zwei, drei wirklich gute Blogs zum jeweiligen Thema gönnt, dann ist man bedient. Dann braucht man die anderen bunten Blogs nicht.

Mittlerweile bin ich echt fast an dem Punkt, wo ich mir lieber nur noch Blogs mit Katzencontent aboniere. Die überklickte Anzahl der Feedreaderbeiträge zum Besserbloggen ist bald nicht mehr erträglich. Und „gezielteres Agendasetting“ dürfte am Jahresende auf meiner Liste zum Unwort des Jahres ganz weit vorne sein. Mensch Leute – bleibt mal auf dem Teppich!

Nachtrag: Gerade noch dazu entdeckt: Die Welt ist scheisse und Endl.

10 Gedanken zu „Was nehmt Ihr Euch nur alle so wichtig?“

  1. Wie gut es doch tut, unwichtig zu sein unter all den wichtigen Bloggern 🙂 Übrigens finde ich das Wort Agendasetting ja mal sowas von… naja das muss ich mir merken 😉

  2. Pingback: Mr. MacTVs Blog » Hurra! A-Blogger
  3. Gerne lese ich täglich einige Blogs.

    Ich habe keine besonderen Favoriten und Leute die nur um (über) sich selbst schreiben, wie der Tanz um das goldene Kalb, lese ich schnell nicht mehr. Allerdings lese ich auch täglich etliche Tageszeitungen und Wochenmagazine. Zu meiner Lehrzeit nannte man das Recherche.

    Meinungsbildung auf breiter Basis. So nenne ich das heute. Mit einer gegenteiligen Meinung eines Bloggers kann ich gut leben. Jeder hat in Deutschland (noch) das Recht der freien Meinungsäußerung.

  4. Agendasetting ist aber durchaus etwas, womit Journalisten arbeiten – es ist, wenn man etwas bewegen möchte, gar kein schlechter Mechanismus. Allerdings zweifle ich, dass in der Blogosphäre wirklich großes Agendasetting möglich ist. Gibt’s hier jemanden, der ICQ hat? Meine Nummer ist 6430242. Das wäre ein Weg, wie man sich kurzschließen könnte. Wenn man wollte. Ich hab damals ja mit meiner Blogzählen gesehen, wie weit die Kreise reichen, und wo eben stopp ist.

    Ihr müsst nicht denken, dass ich nicht auch mal den Basic oder den Alphonso angeschrieben hätte, in einer Angelegenheit, in der es um Unterstützung – sei es in einer Angelegenheit, oder aber um Projekte ging. Ich hab nie Antwort gekriegt. Drum ist es ein wenig schwierig, gezielt, geplante Aktionen auszuführen. Es hat damals ein wenig hingehauen, als wir den politischen Blogkarneval mit Soeren Onez gemacht haben. Da waren am Anfang 8 bis 10 Blogger dabei, die das ungefähr zur gleichen Zeit aufgenommen und in die Welt hinaus getragen haben. Wenn wir ein Anliegen haben, dass uns für wichtig erscheint, könnten wir es so in die mediale Aufmerksamkeit hieven, zumindest probieren. Aber dazu müssten wir auf irgendeine Weise miteinander kommunizieren. Soeren hat’s damals per Mail angeleiert. IM wäre eine etwas direktere Lösung.

  5. Ich finde den Ansatz falsch, wenn man meint, Blogger müssen unbedingt etwas „bewegen“. Genauso falsch ist es, bloggen mit Journalismus gleichzusetzen. Die bloggenden Journalisten wollen uns immer verkaufen, dass sie die besseren ihrer Zunft wären. In Wirklichkeit ist es aber doch so, dass von uns niemand eine Knüver, Niggemeier oder Fonsi kennen würde, wenn sie nur für die Printmedien schreiben würden. Dort wären sie nur kleine Lichter unter vielen anderen. Ihre Blogs geben ihnen (zugegeben nicht wenige) zusätzliche Leser, die sie so nie hätten und sie damit scheinbar bemächtigen von uns als „wir“ zu sprechen. 90% der Blogs schert sich einen feuchten Kehricht, was in den Blogcharts abgeht oder was der Spiegel über Blogger schreibt. Diese 90% betreiben Reise-, Haustier- oder andere Hobbyseiten und haben mit „Qualitätsjournalismus“ nichts am Hut. Die anderen, die noch übrig bleiben, feiern sich regelmäßig gegenseitig selbst, fühlen sich als der Nabel der Welt. Wenn über die dann der Spiegel nur spottet, ist das die logische Konsequenz.

  6. Pingback: Holy Moly » Blog Archive » Quik review - Was nehmt Ihr Euch nur alle so wichtig?
  7. Also ich persönlich finde das Ganze äußerst erheiternd. Kaum einer der Protagonisten sieht (ausser Leuten wie dir vermutlich) das auch Blogs nichts weiter als Netzpräsenzen sind. Wie der Name schon impliziert, wird hier Etwas oder Jemand präsentiert. Aus der technischen Möglichkeit der geregelten/gesteuerten Interaktion „Kommentarfunktion“ schließt man dann, dass das ja irgendwie mehr sein muss. Es ist ja nicht mehr statisch. Aussenstehende können quasi die Präsenz mit gestalten…

    Das es z.B. dich und den Rest der „freien“ Kommentarbibliothekare (wie ich es nenne) ein zwei Tastenklicks kostet, die gesamte Interaktion schlagartig zu beenden, bleibt gänzlich unberücksichtigt, weil vermutlich unverstanden.

    Der Artikel im Spiegel zur „Bloggerei“ wie auch der von Jens Berger sind nichts weiter als die Suche nach dem Sinn und dem Unsinn, all dieser vermeintlichen Präsentationslust. Was geschieht, wenn ein Blogger seine Blogroll löscht, die Kommentarfunktion ausschaltet und alle eintreffenden Leser von anderen Seiten einfach blockiert oder blank umleitet? Richtig, für die welche das hier aus Spass an der Freude machen NICHTS. Für die welche all dem einen Sinn abgewinnen wollen ALLES.

    Aktuell beobachte ich einen Kampf aller Protagonisten um das scheinbar banale Recht an der Informationsgestaltung. Die Redakteure/Journalisten der Verlagshäuser befürchten hierbei zu Recht einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust, die freien Schreiber hingegen verteidigen ihr gutes Recht auf Meinungsäußerung abseits des Medialen Stromes, innerhalb dessen nur allzu leicht wirklich wichtige Informationen der internen Betriebswirtschaft und/oder billigen externen Kapitalinteressen zum Opfer fallen.

    Und bei all dem Gestreite, Gezicke und Gezänke übersehen alle was geschieht, wenn Information pervertiert, dessen Wert zu sehr abstrahiert, oder dessen Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft ignoriert wird: 1933 bis 1945 und das was auf diesem Blog links oben zu sehen ist. Größenwahnsinnige Diktatoren, denen wir es nach wie vor gestatten, die Information zu manipulieren.

    Gruß

  8. Diese Verlinkung von ähnlichen Themen fremder (oder mitunter auch demselben) Blog(s) in den Kommentaren ist eigentlich das nervigste…

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