Wau-Wau in der Oberpfalz also

Nicolas Cage ist seit gut einem Jahr Besitzer der Burg Neidstein an der oberpfälzisch/fränkischen Grenze. Unserer Lokalzeitung ist das ab und zu eine Meldung wert. In Ermangelung eines direkten Interviewtermins, werden gerne auch mal Angestellte oder Dorfbewohner befragt, was oft zu tiefgründigen Erkenntnisssen führt. Diverse Klatschblätter nehmen das Thema vorallem dann auf, wenn etwas gebraucht wird, um das aufziehende Sommerloch zu füllen. Dazu werden scheinbar gerne mal Redakteure vor Ort (Neidstein ist übrigens nicht gerade in der Nähe von Regensburg) geschickt, die der bayerischen Sprache wohl nicht recht mächtig sind. So geschehen bei “Bunte”. Ohne Übersetzer schickte man einen Schreiberling aus dem fernen München (München ist übrigens da, wo niemand mehr bayerisch spricht) los und konfrontierte ihn mit den Ureinwohnern der Gemeinde Etzelwang. Dass dieser arme Kerl gnadenlos verloren gehen musste, war klar und so konnte nur Unfug im Bericht herauskommen. Während unsereins über die Unwissenheit der Bunte nur müde lächeln kann und deren fehlende Bereitschaft zur vollkommenen Poesie des oberpälzer Dialektes nicht böse nehmen kann, hat sich unser Lokalblatt seinerseits auf das niedrige Niveau des Tratschblattes aus München herabgelasssen. Man beschwert sich über die diskriminierenden Äusserungen und benutzt Wortspiele, die mich schon fast an Ali erinnern:

Rund eine Million Oberpfälzer, vor allem auch die Etzelwanger, sind erstaunt, dass sie die Muttersprache nicht beherrschen, sie dürfen aufschauen zur “Bunten”, diesem Leuchtturm der reinen deutschen Sprache, ausgerechnet zur “Bunten”. Haha.

Dabei hat doch schon Buno Jonas festgestellt, dass alle bedeutenden griechischen Philosophen aus Niederbayern kommen und die eigentliche Wurzel der deutschen Sprache im Sprachlabor Oberpfalz (Achtung Seite laden lassen und Lautsprecher an!) liegen.

2 Gedanken zu „Wau-Wau in der Oberpfalz also“

  1. Ich möchte aber nochmals unterstreichen, dass Etzelwang in der Oberpfalz liegt! Auch wenn die Nähe zum “linguistischen Paradies Franken” sehr groß ist! Genauso könnte man den Hersbrucker Beckstein einen Oberpfälzer nennen (was jetzt, Killerspiel-Thomas?)!
    Aber es ist richtig, das auch im Frankenland hinter Hebbers (von Nürnberg aus) Laute erklingen, die nicht menschlichen Ursprungs zu sein scheinen – aber das ist alles von der Oberpfalz “rüber-gschwabberd”!! 🙂

    Mit fränkischen Grüßen

  2. @Frankenblog Nürnberg:

    Nun, ich erlaube mir anzumerken, dass für einen Bewohner der mittleren(!) Oberpfalz, die Mundart mitunter umso weniger als angenehm empfunden wird je mehr man sich von Amberg aus nach Westen begibt. Bei Sulzbach-Rosenberg hat der dortige nord/mitteloberpfälzische Dialekt schon einen vernehmbaren fränkischen Einschlag und noch mehr ist dies im westlichen Landkreis Neumarkt zu verzeichnen. Generell wird im Norden unserers herrlichen Regierungsbezirkes mehr “geBOUT” als in der Mitte und in der südlichen Oberpfalz vernimmt man Laute dieser Art fast gar nicht mehr.

    Aus wikipedia:

    [quote]Mit mehr als 12 Millionen Sprechern bildet das Bairische das größte zusammenhängende Dialektgebiet im deutschen Sprachraum. Zum Bairischen gehören die Mundarten folgender Gebiete:

    – die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Teile von Oberfranken sowie der Landkreis Aichach-Friedberg und Teile der Landkreise Augsburg und Donau-Ries des Regierungsbezirks Schwaben im Freistaat Bayern, die das sogenannte [b]Altbayern[/b] bilden.
    – die deutschen Sprachgebiete Österreichs mit Ausnahme von Vorarlberg sowie dem Nordteil des Tiroler Außerfern (Reutte).
    – das deutsche Sprachgebiet Südtirols…[/quote]

    [quote][b]Nordbairisch[/b] wird im größten Teil der Oberpfalz, in den südöstlichsten Teilen von Oberfranken und Mittelfranken, im nördlichsten Teil von Oberbayern und im südlichsten Teil Sachsens (Südvogtland)gesprochen. In der südöstlichen Oberpfalz und im nördlichsten Teil von Niederbayern werden Mischformen aus Nord- und Mittelbairisch – sprachwissenschaftlich Nordmittelbairisch genannt – gesprochen, wobei die Stadt Regensburg eine mittelbairische Sprachinsel innerhalb dieses Raums ist…[/quote]

    [quote]Die ostfränkischen Dialekte im östlichen Mittelfranken bis einschließlich [b]Nürnberg[/b] zeigen starken nordbairischen Einschlag und markieren damit ein [b]bairisch-fränkisches Übergangsgebiet[/b]…[/quote]

    [quote]Die Dialekte des Oberpfälzer und des Bayerischen Waldes nennt man dialektnah auch das [b]„Waidlerische“[/b]. Sprachwissenschaftlich handelt es sich dabei um nordbairische, nordmittelbairische und mittelbairische Dialekte, wobei die nordbairischen Elemente nach Norden hin schrittweise zunehmen…[/quote]

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