Weitblick

Die Hotelbibliothek hier in Penyabangan, dem wohl abgelegensten Ende von Bali, ist zwar recht umfangreich, aber nicht wirklich aktuell. Und so hab ich mir „Der Fluch des neuen Jahrhunderts“ von Peter Scholl-Latour ausgeliehen. Auf 350 Seiten hat der darin Kurzberichte und Statements zusammengefasst und veröffentlicht. In einem Eintrag (Iranischer Frühling) vom 2. Juni 1997 fällt nebenbei folgende Bemerkung:

Mit Sorge blicken die Erben Khomeinis […] auf den Siegeszug der Taliban im nahen Afghanistan. Jedermann weiß, dass diese Verfechter eines Steinzeit-Islam nur mit der Unterstützung der pakistanischen Regierung, der amerikanischen CIA und der saudischen Geldgeber ihren Feldzug gewinnen konnten. Von Demokratie und Menschenrecht war keine Rede, als es Washington darum ging, mit Hilfe dieser Finsterlinge eine eventuelle iranische Einflußnahme am Hindukush zu durchkreuzen und die Voraussetzungen zu schaffen für eine direkte Erdöl- und Erdgasverbindung zwischen den zentralasiatischen GUS-Republiken und den pakistanischen Häfen am  Indischen Ozean. Vermutlich wird Washington […] mit den primitiven Taliban noch so seine bitteren und demütigen Erfahrungen machen.

Apropos saudische Geldgeber. Indonesien ist das Land mit den meisten Islamgläubigen der Welt. Bali dagegen ist hinduistisch geprägt. An jedem Haus findet sich ein kleiner Tempel, der die bösen Geister besänftigen soll. Durch die Nähe zu Java wird der Westen der Insel immer mehr islamisiert. Der Besitzer unseres Hotels hat gestern erzählt, dass die Saudis sehr viel Geld investieren und in den kleinen Fischerdörfern ein Moschee nach der anderen finanzieren. Auch bekommt jeder Vater ein Prämie, wenn er seine Töchter mit Kopftuch auf die Straße schickt. Und ich hab mich vorgestern noch gewundert, warum bereits ein ca. vierjähriges Mädchen mit Kopftuch auf der Fähre war.

Ein Gedanke zu „Weitblick“

  1. Ein sich leider bewahrheitender Weitblick! Obwohl man weiß, dass die Amerikaner nicht um des Friedenswillen sich in manchen Regionen einmischen, erschüttert es doch immer wieder zu sehen, dass sie nur wg. des Geldes und des Zugriffs auf Erdöl- und Erdgasquellen mit Jedem zusammenarbeiten, egal ob sie terroristisch geprägt sind oder nicht. Dabei werden auch immer wieder die Seiten gewechselt. Wie´s halt g´rad passt. Und sie werden nicht müde beharrlich zu beteuern, dass es nicht ums Erdöl geht. Es ist einfach nur traurig und frustierend……

    Man muss sich auch nur mal anschauen, bei welchen Energie- und Erdölkonzernen ein Teil der Minister der Bushregierung vorher in Führungspositionen tätig war. Die vertreten fleissig die Interessen ihrer vorherigen Arbeitgeber.

    Aber was nützt´s, wenn wir uns aufregen und etwas an die Öffentlichkeit gebracht wird… die Mächtigen schütteln das doch nur ab!

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