Wie man seinen guten Namen zerstört

Wenn ich ehrlich bin, wußte ich bis vor ein paar Tagen gar nicht, dass Nokia in Deutschland produziert. Nach dem zwielichtigen Verkauf von Siemens an BenQ und der folgenden Pleite meinte ich, der letzte Hersteller von Mobiltelefonen hätte Deutschland den Rücken gekehrt. Handys von Nokia hatte ich bisher ausschließlich mit Finnland verbunden. Um so überraschender ist es, dass Nokia jetzt den gleichen Fehler macht, wie einst Siemens und BenQ. Vorallem der relativ gute Name von BenQ war nach der angesteuerten und geplanten Insolvenz von einem Tag auf den anderen beim Teufel und dürfte wohl auf Jahre in Deutschland verbrannt sein. Monitore von BenQ habe ich seither weit weniger verkauft, als vor der Pleite der Handysparte. Die Kunden erinnern sich schon nachhaltig an so etwas.

Ähnliches könnte und wird hoffentlich jetzt auch Nokia blühen. Knall auf Fall wird verkündet, das Werk in Bochum werde dicht gemacht und 4500 Mitarbeiter entlassen. Dafür geht man ins angeblich billigere Rumänien (immerhin EU). Während Nullchecker Michael Glos von der Kehrseite der Globalisierung spricht (gibt es für den Normalbürger auch eine schöne Seite?), verkündet Edmund Stoiber einen handfesten Skandal. Normalerweise mache ich meine Kaufentscheidungen immer von solchen Firmenentscheidungen abhängig. So ist die Firma Allianz seit Herrn Ackermann tabu für mich. Bei Nokia steckt der mündige Kunde indes in einem Dilemma: Welche alternativen Mobiltelefonhersteller gibt es, wo man durch den Kauf deutsche Arbeitsplätze unterstützen möchte? Wahrscheinlich keine mehr, oder?

Nachtrag: Beim BR gibt es ein Statement vom Konsumforscher Peter Weinberg zu hören.

4 Gedanken zu „Wie man seinen guten Namen zerstört“

  1. Gehöre auch zu denen, die ihr Kundenverhalten nachhaltig ändern, nicht nur im Fall Nokia. Leider macht das nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung und von diesem Bruchteil hat es nach ein paar Wochen wiederum die Hälfte vergessen.

  2. Nachtrag: Nicht zu vergessen, wir haben Wahlkampf und aus den Reihen der Politik wird fleißig geheuchelt und gelogen. Beispielsweise grenzt es an Schwachsinn, jetzt zu fordern, daß die damalige Subventionsvergabe über 90Mio € noch einmal überprüft werden müsse (Rüttgers). Oder ist es ein Indiz dafür, daß man derzeit nicht so genau hingeguckt hat?
    Selbst wenn es so wäre, daß die Vergabe nicht den Vorgaben entsprochen hätte, fordert die Regierung dann die 90.000.000 zurück?
    Wählerverarschung.

  3. Versteh ich jetzt nicht. Was hat der Ackermann mit der Allianz zu tun? Ich kenn einen Victory-Ackermann, der ist Chef von der Deutschen Bank und einen Michael Diekmann, der Chef von der Allianz ist. Ob der besser als der Ackermann ist, weiß ich nicht. Die Allianz schmeißt nämlich auch grad 7500 Leute raus.

  4. Stimmt, hab ich durcheinander gebracht. Aber beide hatten in Aktionärsversammlungen Rekordgewinne bekannt gegeben und gleichzeitig Kündigungen angekündigt.

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