Zweierlei Maß?

Die Duma hat Präsident Putin Medwedew also freie Hand gegeben, ob er Südossetien und Abchasien als eigenständige Republiken anerkennen möchte oder nicht. Der Westen schreit auf und Frau Merkel ist „in großer Sorge“. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili mag zwar demokratisch gewählt sein, ordentlich Dreck am Stecken hat er aber auch. Mit Waffen aus den USA (und auch aus Deutschland) griff er die beiden Provinzen an und hat eine auf den Deckel bekommen. Nun wollen die sich verständlicherweise abspalten. In unseren Medien wird einem (wie immer) Rußland als der Böse im Spiel verkauft und vom Ränkespiel der USA hört man fast gar nichts. Mag sein, dass Rußland seine Interessen zu forsch angeht und das Land nicht geteilt werden sollte. Kann aber auch sein, dass eine Teilung des Landes eine Befriedung bringen würde. Ich habe zu wenig Einblick in die gesamte Situation, als dass ich da die Weisheit verkünden könnte.

Ich würde aber mal gerne wissen, wo der Unterschied zur Situation in Serbien und Kosovo ist? Dort lebten auch zwei ethnische Gruppen in einem Land und nur durch ausländische Truppen konnte der Frieden garantiert werden. Dort waren die EU und die USA für die einseitige Abspaltung des Kosovo vom Rest des Landes (entgegen dem Willen Serbiens und Rußland). Liegt der Unterschied vielleicht doch nur darin, dass durch Georgien die Südkaukasus-Pipeline verläuft und es mal wieder nur ums Öl geht?

5 Gedanken zu „Zweierlei Maß?“

  1. Zitat:
    „Bush dringt auf Unabhängigkeit
    US-Präsident George W. Bush hat im Streit über die Zukunft des Kosovo den Druck erhöht und die baldige Unabhängigkeit der serbischen Provinz gefordert.
    „Unabhängigkeit ist das Ergebnis. Wir müssen diesen Prozess voranbringen“, sagte Bush in Tirana.“
    Zitatende!
    RU hat schnell vom Westen gelernt…
    Geschichte wiederholt sich…

  2. Ich halte „territoriale Integrität“ nicht für einen eigenständigen Wert, aber die Baltien-Staaten sehen bei einer erfolgreichen Abspaltung von Abchasien und Südossetien schon wieder russische Panzer in ihren Städten rollen. Ich will ehrlich auch nicht die Geschichte bewerten, aber Georgien ist seit fast 80 Jahren im russischen Würgegriff und diese Schmach ist recht für Georgier kaum zu ertragen. Das Problem ist, dass sich jetzt Ergebnisse eines langen Prozesses zeigen, die an sich unlösbar sind.
    Im Grunde müsste man die Siedlungspolitik der 50er bis 70er Jahre rückabwickeln, aber dadurch würde man Heimatlose schaffen.
    Lässt man Moskau frei gewähren, ist das ein Freifahrtsschein für Siedlungsprojekte von China und Israel.
    Wäre Moskau keine Veto-Macht würde ich eine Blauhelm-Truppe installieren, das Gebiet demilitarisieren, die Einflussnahme von beiden Seiten unterbinden, das Gebiet mit einer autonomen Regierung ausstatten und die sozialen Anspruchstandards hoch genug schrauben, dass keines der beiden Länder die Regionen wirklich haben will, da zu teuer. Aber Moskau ist veto-Macht, somit kann man im Grunde gar nichts tun, als Musikantenstadl zu schauen.

  3. Die Situation ist mir auch zu komplex bzw. gibt es mir zu viel Propaganda drumherum um sie wirklich beurteilen zu können, aber eins versichert mir mein Bauchgefühl ganz fest – nämlich, dass natürlich das Hauptinteresse des Konflikts/Krieges die Gaspipeline ist.

  4. Das liegt für mich auch auf der Hand: Gaspipeline auf der einen Seite, aber andererseits auch wieder willkommene Propaganda von Bush+Merkel für den geplanten Raketenabwehrwall.

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